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tl;dr
Neuer Blog, lange Erklärung was, wieso und warum. Wen es interessiert ist eingeladen auf eine persönliche Reise die bei der Informatik anfing überhaupt nicht linear weiterlief und Abstecher bei Systemtheorien unterschiedlichster Couleur, Selbstorganisation, Chaostheorie/Synergetik, systemische und nicht systemische Theorien von Therapie, Beratung, Kommunikation und schließlich wieder zurück zur Organisation. Mit Nebenpfaden über Systemdenken, Systems Dynamics, Neurophysiologie, Ökologie, Affektlogik, Kutlurtheorie, Linguistik/Semiotik, Logik, Graphentheorie, ANT, Organisationstheorie und Theorien die nur Meinungen sind, auch wenn vielleicht brauchbar und der immer mitgeführten Frage: Wieso ist das in Unternehmen eigentlich so blöd? Und muss das so sein? Oder ist das einfach nur die falsche Frage und bin ich zu doof die richtige zu stellen?

Das komische Bauchgefühl

Während meines Informatik-Studiums (Schwerpunkt Wirtschaft) fing ich wohl recht früh an, zunächst nebenher und später hauptsächlich in ein paar Unternehmen als freier Mitarbeiter zu arbeiten. Das tat meinem Studium überhaupt nicht gut. Mir dafür um so mehr. Denn was mich genervt hat, war in den frühen 90er Jahren eine zementierte Vorstellung davon, wie man Software professionell entwickelt. Eine nachwehe aus den 80ern.

Heute kann ich wertschätzen, dass meine Abneigungen gegen die damals gängige Praxis eben nicht die Praxisferne des Studiums war. Im Gegenteil. Es war die Nähe der damals propagierten Praxis. Wie ich persönlich anmerken darf: Eine völlig absurde Praxis. Die Kollegen, mit denen ich damals in Unternehmen zu tun hatte, tickten in weiten Teilen schon gehörig anders, als damals üblich war. Mein professioneller Einstieg fand dann auch gleich mit Rapid Prototyping und Pair-Programming statt. Das war vor ca. 25 Jahren.

Die Kunden waren zufrieden. Wir hatten Erfolg. Etwas stimmte aber nicht. Viele, „eigentlich“ erfolgreiche Unternehmen gab es nämlich nicht mehr so lange. Und überhaupt: Wir haben viel zu viel Software gebaut, die irgendwo verschwunden ist. Besonders, wenn Geld da war. Und wenn es nur diese Art von Machtprojekt war, die ein neuer CTO beim Kunden etabliert hat, weil er das anderswo bereits „erfolgreich“ gemacht hat.

Es waren „eigentlich“ nur die Schaltjahre

Die richtigen Projekt-Massaker, bei denen Blut gespritzt ist, kamen viel später. Aus meiner Erfahrung hatten nur sehr selten solche Havarien vordergründig etwas mit fachlicher Inkompetenz zu tun. Auch nur sehr selten beim Kunden, wie ich bissigen Kommentaren von Kollegen entnehmen konnte. Ein fall aus den späten 1990ern, den ich geschildert bekommen, aber nicht miterleben durfte, das einer Company im Finanzsektor. Die Implementierung wurde zuerst in Indien gestartet (mit einer knapp 1000 Seiten umfassende Pflichtenheftübung). Später holte man die Inder nach Frankfurt. Als alles soweit getestet war und in Produktion ging ist dann doch aufgefallen, dass keine Berechnung korrekt war. Weder die Engineers noch die Entwickler waren Idioten. Aber mal ganz ehrlich: Wie kann es dazu kommen, dass nach drei Jahren Entwicklungszeit ein findiger Sachbearbeiter herausfindet, dass die Software nicht mit den korrekten 360 Tagen sondern mit echten Tagen im Jahr gerechnet wurde. Also mit 365 bzw. 366 in Schaltjahren (was übrigens die Simulationen extrem verkompliziert haben muss, so neben bei). Das Projekt trieb sehr schnell den Jordan hinunter. Denn eine Reparatur war zu teuer. Die Schaltjahre zu starr an alle Berechnungen gekoppelt. Full fail.

Wann wird es „eigentlich“ wahrscheinlicher, kurze Blogbeiträge von mir zu lesen?

Das Beispiel ist jetzt auch kapp 20 Jahre her. Aber die Geschichte hat nie wirklich aufgehört, mich zu beschäftigen. Und es ist sogar egal, was noch von dieser Überlieferung stimmt, und was nicht. Grundsätzlich: Wie kommt es zu so etwas? Und die Lösungen scheinen viel mehr nicht in der Analyse von Problemen zu sein. Sondern im Gegenteil: In der Synthese. Im Zusammenbau eines Modells, das hilft zu verstehen, wie viele kluge Menschen an ihren eigenen blinden Flecken scheitern. Abschließend stelle sich für mich sogar immer die Frage: Wieso kann man eigentlich überhaupt erfolgreich Software entwickeln? Ist es nicht vielmehr so, dass Erfolg „eigentlich“ eher unwahrscheinlich ist – wenn man als Erfolg den Einsatz annimmt?

Mit was beschäftigt sich dieser Blog?

Mit Problemen in Organisationen ganz allgemein, sofern es Muster jeglicher Art betrifft, die bei mir Neuronen zum Feuern bringen.

Im weitesten Sinne berührt es meist Themen, die mit agilem Arbeiten zu tun haben. Und da das, was man Agilität nennen könnte, kein eigenes Theorie-Backing hat, stellen sich noch mehr Fragen. Könnte es nicht so sein, dass agiles Arbeiten schlichtweg eine – unter bestimmten Bedingung natürlich – sehr erfolgreiche Provokation für alle diejenigen darstellt, die es peinlich oder ohnmächtig in ihrem Kontext berührt? Braucht eine Provokation eine Theorie? Der Zeitpunkt für agiles Arbeiten ist offensichtlich der richtige, da es sonst kaum diesen Auftrieb gegeben hätte. Und das finde ich spannend. Deswegen fühle ich mich in der agilen Welt wohl und darf so vieles in ihr hassen oder sogar fürchten. Da ist jetzt kaum mehr gefühlter Widerspruch für mich sichtbar, als vor dem Auftauchen der agilen Bewegung. Aber es fühlt sich nützlicher und viel weniger kompliziert an.

Welche Haltung nehme ich dabei ein?

Ich habe ein agiles Mindset. Darüberhinaus versuche ich einen mehr oder weniger ideologiefreien Zugang zu systemischem und ganzheitlichem Denken zu leben. Systemisches Denken in unterschiedlichen Farben allerdings. Was mit Ökologie-Interesse als Kind begonnen hat, hört da eben nicht auf. Ich finde, um ein paar Galionsfiguren herauszustellen, Niklas Luhmann (soziologische Systemtheorie) genauso inspirierend wie Jay Forester (Systems Dynamics) oder Kurt Lewin (Gestaltpsychologie). Da ich kein Wissenschaftler bin, müssen meine Gedanken auch nicht an ein Wissenschaftssystem anschlussfähig sein. Das Risiko, ausgeschlossen oder nicht beachtet zu werden habe ich also nicht, solange ich ein weiterhin ein Sozialleben dort habe, wo sich niemand für meine Eskapaden interessiert. Das ist eine komfortable Situation.

Will ich objektiv sein?

Absolut nicht. Ich versuche meine Sichtweise zu klären. In erster Linie geht es mir um den Spass, Dinge zu verbinden und darzustellen. Anschlussfähigkeit ist unwahrscheinlich. Spass entsteht ganz objektiv im Subjekt, wenn es Freude am lernen empfindet. Das schafft nebenbei wieder Neugierde, die das Erkunden und Lernen antreibt. Spass entsteht dann mit positiven Lernerfahrungen. Aber deswegen bin ich noch kein Hedonist.

Welche Quellen verwende ich?

Zu mir hat mal jemand gesagt: „Wer auf einem Blog zitiert, ist albern. Steck dir deine Quellenangaben in den Arsch.“ Vielleicht halte ich mich dran. Fachbegriffe zu verlinken habe ich mir mittlerweile abgewöhnt.

Wozu noch ein Blog über agilen Firlefanz.

Schreib mal über deine Erfahrungswelt, um etwas besser zu verstehen. Und versuche die Nabelschau-Themen zu minimieren. Das ist meine Herausforderung.

Wieso schreibe ich nicht auf dem Blog meines Unternehmens?

Das geht nicht, denke ich. Das ist ein Tummelplatz affektierter Eskalationsbereitschaft. Außerdem werden ich dort von diskriminiert. Ich muss Brille tragen, weil ich Weit- und Kurzsichtig bin. Wenn das mal keine Eigenschaft ist!

Wieso schreibe ich jetzt?

Weil ich mit zwei Bandscheibenvorfällen vorübergehend nicht am Gottesdienst teilnehmen kann. Die Schmerzen sind phasenweise unerträglich und ich brauche ein Ventil, solange mir der Kopf nicht dabei abfällt. Halswirbelsäule. Leider nicht so operabel, wie mir das lieb wäre und ich jetzt häufiger auf der Strasse von Leuten erzählt bekommen habe. Cool ist aber, dass ich jetzt über Reflexbögen und den Auswirkungen von Wirbelfusionen auf verschiedenen Stockwerken aus der Praxis Erfahrungen sammeln konnte. Es bleibt dort spannend.

Weiermachen.